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Wirtschaft
20.11.2022

Verschnaufpause für Aktienmärkte

Das G20-Treffen und der UN-Klimagipfel hätten das Geschehen an den Aktienmärkten nicht beeinflusst, so Christopher Chandiramani. Bild: Linth24
Nach dem Kursfeuerwerk der letzten Woche gönnten sich die Börsen eine Atempause. Die Bewegungen waren zunächst leicht abbröckelnd, zum Wochenschluss kam dank starken Pharmawerten ein Sprung nach oben.

Der G20-Gipfel auf Bali am 15. und 16. November war das 17. Treffen dieser Art. Lange war der Ausgang ungewiss – aber die Mitglieder des G20-Gipfels einigten sich schliesslich auf eine Abschlusserklärung. Darin verurteilen viele, aber nicht alle Staaten den russischen Angriff der Russen auf die Ukraine.

In der vergangenen Woche fand ebenfalls der UN-Klimagipfel in Ägypten statt. Die Ziele bleiben unverändert, Dekarbonisierung von Industrie und Verkehr, Erderwärmung höchstens 1.5 Grad. Aber das Ringen um Klimahilfen für ärmere Länder erschwerte die Beratungen.

Nach der definitiven Auszählung der US-Zwischenwahlen haben die Republikaner einen kleinen Vorsprung im Repräsentantenhaus. Die Sprecherin der Demokraten, Nancy Pelosi trat zurück. Im Alter von 82 macht die harte Gegnerin der Republikaner den jüngeren politischen Kräften Platz.

Die Inflation in Grossbritannien hat sich von einem hohen Niveau aus weiter verstärkt. Im Oktober 2022 legten die Konsumentenpreise im Jahresvergleich um 11.1 Prozent zu. Marktbeobachter sehen neben den Energieproblemen auch Spätfolgen des Brexit als Ursachen.

Die Immobilienpreise in der Schweiz steigen weiter, im dritten Quartal je nach Region rund 2 Prozent oder mehr. Besonders stark gestiegen sind die Preise von Ferienwohnungen und Wochenendhäusern in den Alpen. Die Hypothekarkredite haben sich in der Zwischenzeit leicht entspannt. Bei den Mieten dürften insbesondere die Nebenkosten steigen (Heizung und Beleuchtung).

Die EU baut ein eigenes Satellitensystem für stabiles Internet in ländlichen Gebieten. Deshalb investiert die Europäische Union EUR 2.4 Mrd. für ein neues Netz. Aus technischer Sicht ist das Projekt umstritten.

Der abtretende Finanzminister Ueli Maurer macht sich Sorgen und warnt in einem NZZ-Interview vor noch grösseren Defiziten. Die Begehrlichkeiten würden immer grösser, das Parlament sei zu spendierfreudig.

Spuren der FTX-Pleite (Handelsplattform für Kryptowährungen) führen auch bis in die Schweiz. Aufgrund des Bitcoin-Absturzes könnten weltweit Hunderte Firmenpleiten folgen. Der Bitcoin verharrte diese Woche auf tiefem Niveau von USD 16'000, minus 20 Prozent seit dem Absturz und über minus 70 Prozent seit dem Höchst.

Unternehmensnachrichten

Der Schweizer Pharmariese Roche hat einen Forschungsrückschlag bei einem neuen Alzheimermedikament zu verkraften. Dieses konnte den das Fortschreiten der Krankheit bei Patienten im Frühstadium nicht verlangsamen.

Am Investorentag setzte die Zürich Versicherungen ZFS neue und ehrgeizige Ziele für 2020-2022 und fokussiert noch stärker auf Innovationen, um den Kundenbedürfnissen zu entsprechen. Alle Finanzkennziffern sind im «grünen Bereich» und die Investoren haben weiterhin eine üppige Dividendenrendite zugute.

Das Burgdorfer Medizinaltechnik-Unternehmen Ypsomed hat im ersten Semester des Geschäftsjahres 2022/23 die Verkäufe gesteigert. Der Umsatz erhöhte sich im Ende September abgeschlossenen Halbjahr um 9.7 Prozent auf CHF 244 Mio. Franken. Die Profitabilität konnte deutlich gesteigert werden. Das Betriebsergebnis (EBIT) lag mit CHF 19. Mio. fast doppelt so hoch und ebenso der Reingewinn mit CHF 15.4 Mio.

Aussichten

Der SMI ist dieses Jahr um 15 Prozent gefallen. Hauptursachen waren der Krieg in der Ukraine, Inflation und vor allem stark steigende Energiepreise sowie die Leitzinserhöhungen der Notenbanken. Zwar ist die Inflation in den USA leicht rückläufig, aber in der EU ist sie mit 10 Prozent oder mehr immer noch sehr hoch.

Hoffnungen auf kleinere Zinsschritte in den USA haben eine Erholung der Aktien ausgelöst. Die Kurssprünge waren jedoch hauptsächlich Eindeckung von Leerverkäufen («Short-Covering»). Vermutlich gibt es im Dezember nochmals Leitzinserhöhungen. Die Nationalbank plant mitzumachen, auch wenn die Teuerung in der Schweiz lediglich 3 Prozent beträgt.

Somit wäre eine nachhaltig solidere Aktienbörse erst im Jahre 2023 zu erwarten.

Christopher Chandiramani, Börsenanalyst und freier Mitarbeiter Linth24